Artist Statement

In meiner künstlerischen Vorgehensweise entwerfe ich meist Werkzeuge, Schemata und Verfahren, die ich im Umgang mit Material anschließend variiere, aufbreche und verändere. Hierbei fasziniert mich besonders das Schaffen von Regeln und Brüchen, um darüber neue Umgangs- und Sichtweisen zu eröffnen.

Oft begebe ich mich direkt an Orte, um mich künstlerisch mit ihnen zu beschäftigen. Seit zwei Jahren arbeite ich beispielsweise in Venedig an einer Serie von Aquarellen, die abstrahierte Impressionen aus Winkeln und Ecken der Stadt zeigen. In dieser Serie konnte ich durch den Einsatz von Perspektive statt Abbildungen neue Formen finden. Aus diesen neuen Formen habe ich Schablonen gestaltet, die als Werkzeuge für meine großformatige Serie „Nuovi Angoli . Nuove Forme“ zum Einsatz kommen.

Die Formen, die ich über die Malerei entdeckt habe, gieße ich aktuell sowohl in Beton als auch in Papier, um neue Anordnungen auf der Objektebene zu kreieren. Mich interessiert wie Stofflichkeit nach Außen wirkt und erlebbar wird. Durch Farbe kann ein schweres Material leicht wirken, ein rauer Stoff zart. Sie kann einen Körper von innen glühen lassen, eine Form öffnen, schlucken, glätten oder von innen aushöhlen. Ein mit Farbpigmenten durchdrungener Körper ist von uns anders erfahrbar, als eine mit Farbe behandelte Oberfläche.

Aus vorgehenden Projekten befinde ich mich auf der stofflichen Ebene auf der Spur den Kontrast „rau und zärtlich“ im Material zu erforschen. In der Form bin ich den Eigenschaften „clean and clumsy“ auf der Spur.  

Ich arbeite jedoch zusätzlich zur analogen auch auf einer sozialen und digitalen Ebene. In meinem Projekt DADA DATA habe ich ein Schema gestaltet mit dem ich den Arbeitsplatz eines in der digitalisierten Welt lebenden Menschen zerlege.

Key to my artistic approach is that I often create tools, schemes and procedures, which step by step I alter, vary and break open in dealing with material. In this process, I am especially fascinated with creating and breaking rules to open up new forms of behavior and perspective.

I often spend time at the places I deal with in an artistic way. For the last two years, for instance, I have worked in Venice, Italy, on a series of water color paintings that show abstract impressions of angles and corners of the city. In this series, I applied perspective not to depict something, but to find new forms. From these new forms, I created shapes that served as boundaries on my large format water color painting series »Nuovi Angoli . Nuove Forme«.

At the moment, I am casting the shapes from my paintings in concrete as well as paper to create new constellations on an object level. I am interested in how materiality can affect us from the inside out of a body and how this is perceptible to us. We can for instance experience an object permeated with color pigments in a different way from a surface treated with color.

From previous projects, I am on track of investigating the contrast »rough and tender« on a material level. As for the form, I am investigating the properties »clean and clumsy«. I would love to use the SVA summer program to expand and discuss this research and open up new perspectives on my creative process.

Copyright © 2019
Nina Gospodin